Jean Eustache – Filme im August und September
Kaum ein Werk der französischen Filmgeschichte ist so schmal und zugleich so gewichtig wie das von Jean Eustache (1938–1981). Zwischen Nouvelle Vague und deren Erschöpfung stehend, schuf er ein Kino von radikaler Aufrichtigkeit – Filme, die vom Sprechen, Begehren und Scheitern erzählen, ohne je die Zuflucht der Beschönigung zu suchen.
Barrierearm, klimatisiert und stillfreundlich
Die Filme von Jean Eustache – Kinemathek Karlsruhe
im Kino
Originalfassung mit deutschen Untertiteln | (e) engl. UT
Vorstellung mit Einführung/Filmgespräch
Saal Veranstaltung im Saal | Box Veranstaltung in der Box | Foyer Veranstaltung im Foyer | Unterwegs Open Air & andere Orte
Keine passenden Termine.
August/ So 23.
Jean Eustache, FR 1973; 215′
La Maman et la Putain
Jean Eustache, FR 1973; 215′
- Originalfassung mit deutschen Untertiteln
Ein zielloser Flaneur (Jean-Pierre Léaud) verbringt seine Tage zwischen zwei Frauen, endlosen Gesprächen in Pariser Cafés und der Suche nach sich selbst. Im Zentrum steht eine Dreiecksbeziehung im Nachklang der Umwälzungen des Jahres 1968, die sich mit direkter Offenheit zwischen Selbstinszenierung, Begehren und emotionaler Grausamkeit entwickelt. Ein bis heute herausforderndes Werk über Liebe, Sprache und die Unmöglichkeit, zueinander zu finden. Jean Eustache, ausgebildeter Elektriker und Autodidakt, war als Arbeiter-Kind eine Ausnahmefigur der ansonsten bourgeoisen Nouvelle Vague. Fast autobiografisch spiegelt sich sein Leben auch in seinen Filmen wieder. Mit präziser Aufmerksamkeit für Sprache, Gesten und soziale Wirklichkeiten bewegt sich Eustaches Kino in einem Raum dokumentarischer Fiktion. Neben zahlreichen Kurz- und mittellangen Filmen umfasst Eustaches Hauptwerk seine beiden Langspielfilme LA MAMAN ET LA PUTAIN und MES PETITES AMOUREUSES.
August/ Sa 29.
Jean Eustache, FR 1974; 123′
Mes petites amoureuses
Jean Eustache, FR 1974; 123′
- Originalfassung mit deutschen Untertiteln
Ein Sommer der Unschuld endet abrupt. Der 13-jährige Daniel wird aus seinem behüteten Landleben in die Enge der Stadt gerissen und in die Härte der Erwachsenenwelt gestoßen. Statt Schule und Freundschaften bestimmen Arbeit, soziale Kälte und erste Auseinandersetzungen mit Sexualität seinen Alltag. Als Teil von Jean Eustaches autobiografisch geprägtem Kino verdichtet der Film persönliche Erinnerungen zu einem beobachtenden Blick auf das Erwachsenwerden und eine Jugend, die verschwindet, bevor sie sich entwickeln kann. Jean Eustache, ausgebildeter Elektriker und Autodidakt, war als Arbeiter-Kind eine Ausnahmefigur der ansonsten bourgeoisen Nouvelle Vague. Fast autobiografisch spiegelt sich sein Leben auch in seinen Filmen wieder. Mit präziser Aufmerksamkeit für Sprache, Gesten und soziale Wirklichkeiten bewegt sich Eustaches Kino in einem Raum dokumentarischer Fiktion.
Im August zeigen wir seine beiden langen Spielfilme: La Maman et la Putain (1973), sein monumentales Hauptwerk über eine Ménage-à-trois im Paris nach 1968 – dreieinhalb Stunden Reden als Überlebensform, jahrzehntelang kaum zu sehen und heute restauriert wieder auf der Leinwand. Und Mes petites amoureuses (1974), sein autobiografisch grundiertes Porträt einer Jugend in der französischen Provinz, von zärtlicher Genauigkeit und stiller Grausamkeit zugleich.
Im September setzen wir die Reihe mit drei Kurzfilmen fort: Du côté de Robinson (1964), Eustaches frühes Porträt zweier junger Männer beim Streifzug durch die Pariser Vorstadt, Le Père Noël a les yeux bleus (1966), mit Jean-Pierre Léaud als Jugendlichem, der sich im winterlichen Narbonne als Weihnachtsmann verdingt, und Une sale histoire (1977), sein verstörend-doppelbödiges Spätwerk, das dieselbe obszöne Beichte zweimal erzählt – einmal dokumentarisch, einmal inszeniert – und dabei die Grenze zwischen Wahrheit und Fiktion zum Flirren bringt.