Unsere neue Märchenfilmreihe

Über die Romantisierung des Mittelalters und Genderfragen


 

Zu Beginn unserer Planungen für unsere Märchenfilmreihe stellen wir fest, dass kein einfaches Unterfangen vor uns liegt. Und das hat verschiedene Gründe:

Zum einen ist die klassische Märchenerzählung per se düster und beschreibt meist eine skurrile Märchenwelt voll mit Geistern und Hexen und anderen unheimlichen oder magischen Begebenheiten vor der Kulisse surrealer Märchenlandschaften.

 

Zudem gilt es zu betrachten in welcher Zeit, in welcher Kultur und aus welchen politischen Beweggründen Märchenfilme produziert worden sind.

Eine letzte Hürde besteht darin, herauszufinden, in welcher Version die Filme überhaupt zur Verfügung stehen und diese auch zu bekommen. Oft wissen Archive und Filmverleiher selbst nicht, um welche Versionen es sich genau handelt. Und selbst wenn man mit viel Glück und Recherche auf die gewünschte Fassung stößt, dann stellt man fest, dass Archivkopien oft sehr teuer sind. Vorführungen können daher, selbst wenn wir es wollten, manchmal nicht realisiert werden.

 

Dennoch sehen wir eine große cineastische Kraft in diesem Thema. Zum einen ist es spannend, wie verschiedene Kulturen zu verschiedene Zeiten Märchenstoffe bearbeitet haben. Zum anderen gilt es, Kindern und Jugendlichen auf angenehme, altersgemäße und spannende Art und Weise filmästhetisch und filmgeschichtlich zu bilden.

Was zeichnet den Film seit Beginn des 20. Jahrhunderts aus? Er ist ein Abbild der Realität und gleichzeitig wie kaum eine andere Kunstform in der Lage, zuvor nie gesehene Welten zu erschaffen – und genau diesen widmen wir uns in unserer Märchenfilmreihe: Das Irreale und Phantastische offenbart sich dabei auf vielerlei Weise – mit der Darstellung von Vorstellungen des Übernatürlichen, durch das Karikieren durch Kostüm, Setbau und Tricktechnik (dabei reicht die Bandbreite von Stop-Motion-Technik und Doppelbelichtung bis hin zu modernen Spezialeffekten), mittels Blicken in die Zukunft und in die Vergangenheit, bis hin zu Welten, die sich nicht auf unserem Planeten zu befinden scheinen.

 

Nicht alle Filme, welche sich mit Märchenerzählungen befassen, empfinden wir aus heutiger Sicht als kindertauglich. Doch trotz aller Skepsis sind einige dieser Filme es dennoch wert, noch einmal aus den Archiven befreit und einem größeren und jüngeren – und älteren – Publikum zugänglich gemacht zu werden.

Mit Das singende, klingende Bäumlein und Die Schneekönigin haben wir zwei Märchenfilme ausgewählt, in denen wir verschiedene ästhetische Formen sichtbar machen werden und Rollenmuster oder politische Hintergründe hinterfragen.