Augenblicke: Gesichter einer Reise

Visages, villages
F 2017, Agnès Varda / JR
Digital 93 Min., Französich / dt.UT

 

 

Als älteste noch aktive Filmemacherin hat DER SPIEGEL Agnès Varda aus Anlass ihres 90. Geburtstags im vergangenen Mai bezeichnet. Mit ihrem ersten Spielfilm 1954 ist sie auch so etwas wie die Mutter der Nouvelle Vague. Seit Jahrzehnten arbeitet Varda an ihrer ganz eigenen Filmsprache: experimentell, poetisch und oft an der Grenze zwischen Fiktion und Dokument. Zu ihrem runden Geburtstag hat sie sich nun mit einem wundervollen Film selbst ein Geschenk gemacht.
Zusammen mit dem 33-jährigen Fotografen und und Straßenkünstler JR begibt sie sich auf eine Reise durch ihre Heimat. Die beiden seelenverwandten Künstler durchqueren Frankreich von der Provence bis zur Normandie. Sie besuchen idyllische kleine Dörfer, verlassene Siedlungen, Höfe, Felder, Wiesen und Strände. Unterwegs treffen sie Menschen bei der Arbeit und beim Müßiggang, sie kommen ins Gespräch, lernen die Leute und einander kennen. Und währenddessen entsteht eben auch noch Kunst. JR macht von seinen Fotografien meterhohe Abzüge, die er dann an öffentlichen Stellen anbringt. So verwandeln sich beispielsweise die Frauen der Hafenarbeiter von Le Havre auf gigantischen Containertürmen in riesige Totemfiguren.
Ein ebenso anrührender wie lebensfroher Film, der für den Oscar als bester Dokumentarfilm nominiert wurde. (nach: Alexandra Seitz, epd Film 6/18)