Verführung – die grausame Frau

Deutschland 1984, Monika Treut, Elfi Mikesch
Mit Mechthild Grossmann, Udo Kier, Sheila McLaughlin, Georgette Dee, Peter Weibel. Digital, 84 Min.

 

 

„Aufregenderes, subversiveres, seltsameres Kino wird man so bald bei uns nicht zu sehen bekommen“, frohlockte Hans C. Blumenberg 1985 in Die Zeit. „Diese Mischung aus Fäkaliensprache und Erotik kann niemandem zugemutet werden“, wütete der Bundesinnenminister von der CSU.

Das Spielfilmdebüt von Monika Treut und Elfi Mikesch polarisierte also von Beginn an. Bei der Premiere im Forum der Berlinale sahen sich die Filmemacherinnen mit aggressivem Protest aus dem Saal konfrontiert ob ihres Films, der das Publikum in eine masochistische Situation unter der weiblichen Dominanz Mechthild Grossmanns versetzt.

Sie spielt Wanda, eine geheimnisvolle Domina und clevere Geschäftsfrau. In ihrer Galerie im Hamburger Hafen inszeniert Wanda bizarre Bühnenshows für ein zahlendes Publikum: sadomasochistische Rituale als ästhetische Form und gewinnbringendes Geschäft. Auch in ihrem Privatleben ist sie eine souveräne Herrscherin. Sie bestimmt die Spielregeln der Lust, denen ihre Liebhaberinnen und Liebhaber zu folgen haben: Gregor, ihr sklavischer Bühnenpartner ebenso wie Justine, eine naive Unschuld aus Amerika. Nur ihre Freundin Caren leidet unter Wandas Aktivitäten. Deshalb muss sie aus dem Spiel ausgeschlossen werden. Denn die Show muss weitergehen.