Schwarzer Kies

BRD 1960, Helmut Käutner
Mit Helmut Wildt, Ingmar Zeisberg, Hans Cossy, Wolfgang Büttner. | Digital, 110 Min.

 

 

Das bundesdeutsche Kino der 1950er und frühen 60er Jahre hat einen schlechten Ruf. Auch wenn es für dieses Pauschalurteil natürlich Gründe gibt, wird man dieser Epoche der deutschen Filmgeschichte damit kaum gerecht. So hat es immer wieder Rehabilitierungsversuche gegeben, bei denen man unvoreingenommen erneut auf die Filme jener Zeit blickte. Zuletzt geschah dies 2016 mit der Retrospektive „Geliebt und verdrängt. Das Kino der Bundesrepublik Deutschland von 1949 bis 1963“ beim Filmfestival von Locarno, in der auch Helmut Käutners Schwarzer Kies von 1960 zu sehen war.


Der Film spielt in einem kleinen Dorf im Hunsrück. In der Nähe bauen die US-Streitkräfte eine Militärbasis. Obwohl niemand die Amerikaner so richtig leiden kann, machen alle mit ihnen Geschäfte. Scheunen werden in Bars umgewandelt, Prostituierte kommen in die Gegend. Das richtig große Geld aber bringt der Schwarzhandel der Bauunternehmer. Im Mittelpunkt steht Robert Neidhardt, ein illusionsloser Mann, der immer an einer schnellen Mark interessiert ist. Er trifft seine Nachkriegsgeliebte wieder, die inzwischen mit einem Amerikaner verheiratet ist. Als es zu einem Unfall mit Toten kommt, schaltet sich die Polizei ein.


Was Käutner vorschwebte war eine Art Sittengemälde der jungen Bundesrepublik, gezeichnet mit der realistischen Härte eines Dokumentarfilms und eingehüllt in die düstere Atmosphäre eines Film Noir. Beim Publikum und der zeitgenössischen Kritik stieß er damit allerdings auf einhellige Ablehnung. Das Auftreten einer antisemitischen Figur führte zu weiterer Kritik und schließlich wurde der Film für den Kinoeinsatz stark gekürzt.


Wir zeigen die digital restaurierte Premierenfassung.