Das Talent des Genesis Potini

The Dark Horse
Neuseeland 2014, James Napier Robertson
mit Cliff Curtis, James Rolleston, Kirk Torrance, Te Rua Rehu-Martin. Digital, 124 Min., Englisch/dt. Untertitel, empfohlen ab 15 Jahren

 

 

Schach mache Menschen nicht verrückt, vielmehr halte das Spiel Verrückte bei Verstand, hat der englische Schach-Champion William Hartston einmal gesagt. Der Satz wäre ein guter Slogan für den Spielfilm DAS TALENT DES GENESIS POTINI, der auf der Biografie des neuseeländischen Blitzschachmeisters Genesis Wayne Potini beruht. Potini, der dem Volk der Maori angehörte, litt unter einer bipolaren Störung und verbrachte einen Großteil seines Lebens in psychiatrischer Behandlung, bevor er 2011 im Alter von 46 Jahren an einem Herzinfarkt starb.

Im Film kommt er nach seiner Entlassung aus der Psychiatrie bei seinem Bruder Ariki unter, Mitglied einer berüchtigten Bikergang, der zusammen mit seinem 15-jährigen Sohn Mana und einigen Gang-Mitgliedern in einer Bruchbude zwischen vollen Aschenbechern und leeren Bierflaschen haust. In diesem weitgehend zweck- und zielfreien Alltag, in dem das Gesetz des Stärkeren herrscht, ist kein Platz für einen sensiblen Geist.

Um seinem Leben wieder einen Sinn zu geben, beginnt der einstige Schach-Profi, sich für Kinder und Jugendliche in seiner Nachbarschaft zu engagieren. Mit dabei ist sein Neffe Mana, der auf Wunsch des Vaters eigentlich in die Gang eingeführt werden soll. Bald unterrichtet der passionierte Spieler seine jungen Schützlinge in der Kunst des Schachs, um sie von der Straße zu holen und trainiert sie für die Junioren-Meisterschaften in Auckland.

James Napier Robertson skizziert in seinem realistischen Porträt eines getriebenen Geistes, der um gesellschaftliche Anerkennung kämpft, zugleich die soziale Lage der Maori, deren Kultur weitgehend vernichtet ist. In der Hauptfigur vereint sich dabei die spielerische Vermittlung fast vergessener Traditionen mit dem Glauben an eine bessere Zukunft für die nächste Generation.