Vitalina Varela

Pedro Costa, Portugal 2019 | Mit Vitalina Varela, Ventura, Manuel Tavares Almeida, Francisco Brito | Digital, 124 Min.
Griechisch, Portugiesisch mit deutschen Untertiteln

Der Gewinner des Goldenen Leoparden von Locarno 2019 ist einer der wenigen Festivalfilme, die dieses Jahr ins Kino kommen, da momentan kaum Festivals stattfinden. Allein das sollte ihm Aufmerksamkeit bescheren. Dem portugiesischen Regisseur Pedro Costa ist hier
ein nachtschwarzes, melancholisches Meisterwerk gelungen, das ihn erneut als einen der ganz großen Stilisten des zeitgenössischen
Kinos ausweist. Die Geschichte des Films ist die Geschichte seiner Hauptdarstellerin. Über 20 Jahre hat sie auf den Kapverden gewartet,
während ihr Mann in Lissabon gearbeitet hat. Nun kommt sie nach Portugal, muss aber erfahren, dass ihr Mann vor drei Tagen beerdigt wurde. Sie bezieht sein Zimmer, wo ein Dialog der Schatten beginnt, zwischen Vitalina und ihrem Mann. Wie oft bei diesem Regisseur
erscheinen die Menschen wie Zombies, die durch ihre Erinnerungen Geister beschwören. Dabei dient eine poetische, hoch artifizielle Bildsprache einer sehr tiefen Reflexion der Kolonialgeschichte Portugals und des Lebens kapverdischer Migranten in Lissabon. Pedro
Costa bezieht sich dabei auf so unterschiedliche Regisseure wie Robert Bresson, Straub / Huillet und Jacques Tourneur. Ein Kunstwerk, das vielleicht Godards berühmtes Diktum einlöst: Es geht nicht darum, politische Filme, sondern politisch Filme zu machen.

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