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Der Welttag der seelischen Gesundheit wurde 1992 von der World Federation of Mental Health (WFMH), einer Unterorganisation der Weltgesundheitsbehörde WHO, ins Leben gerufen. Er findet jährlich am 10. Oktober statt, um auf die Belange von psychisch beeinträchtigten Menschen aufmerksam zu machen und die Stigmatisierungen abzubauen.
Ende der 1970er Jahre unternahm die italienische Regierung einen radikalen Schritt, der weit über alles hinausging, was damals (und auch heute noch) in Sachen Psychiatriereform üblich war. Mittels des berühmt gewordenen „Gesetzes 180“ (oder auch nach ihrem Initiator „Legge Basaglia“) wurden sämtliche psychiatrischen Anstalten in Italien auf einen Schlag aufgelöst und die Patienten in offene Einrichtungen gebracht, wo sie den Weg zurück in ein mehr oder weniger normales Leben erlernen sollten. Sofern möglich kehrten die Patienten zu ihren Familien zurück, andere wurden in eilig eingerichteten Wohngemeinschaften untergebracht.
Von einer solchen Wohngemeinschaft erzählt Regisseur Guilio Manfredonia in seinem Film Wir schaffen das schon / Si può fare. Die ist zwar durch die Reform Franco Basaglias befreit worden, doch weil die Konzepte fehlen, wird die Gruppe wie zuvor in den geschlossenen Anstalten einfach von einem Arzt medikamentös sediert und verrichtet die stumpfsinnige Arbeit des Frankierens von Briefen. Bis der engagierte Gewerkschafter Nello als neuer Manager der Gruppe eingesetzt wird. Als Menschenfreund glaubt er daran, dass die „Irren“ nicht nur Fürsorge-Objekte sind, sondern Individuen mit Talenten und fasst deshalb den Entschluss Ihnen „etwas Vernünftiges“ beizubringen. Mit verteilten Rollen, die die Stärken jedes einzelnen berücksichtigen, versucht sich die Kooperative als Parkettverleger. Wider alle Erwartungen lassen sich die Anfangsschwierigkeiten aus dem Weg räumen und es gelingt, unter der Obhut eines anderen Arztes die Dosis der Beruhigungsmittel zu reduzieren und die Lebensfreude zu steigern. Allerdings verliert Nello im Eifer des Erfolgs aus den Augen, um was es ihm ursprünglich ging: um die Menschen, deren Krankheitsbilder akzeptiert, aber nicht ignoriert werden können.
In diesem Fall geht es um das Verlegen von Parkettfußböden. Man ahnt natürlich schnell, dass das Unternehmen, das sich anfangs etwas schwierig gestaltet, es mit der Zeit zu einigem Erfolg bringen wird. Und mit dem Erfolg können langsam auch die Medikamente spürbar reduziert und damit auch die Lebensqualität gesteigert werden. Nello allerdings droht vor lauter Geschäftigkeit aus den Augen zu verlieren, um was es ihm ursprünglich ging – den Menschen zu helfen, ein menschenwürdigeres Leben zu führen. Und das bleibt nicht ohne Folgen…
Der Film besticht durch sein prächtig miteinander harmonierendes Darstellerensemble und auf unterhaltsame Weise die Ausgrenzung „andersartiger“ Menschen in einer Gesellschaft angeht, das nicht nur „historisch“, sondern von zeitloser Aktualität ist .
Nach dem Film Gespräch mit PsychiatrieErfahrenen, Mitarbeiter*innen und Beschäftigten der Hagsfelder Werkstätten, des Sozialpsychiatrischen Dienst und anderen Diensten in Karlsruhe über die Betreuungs-und Beschäftigungsangebote für Menschen mit psychischen Problemen in unserer Stadt.
Veranstalter: Haus Bodelschwingh Karlsruhe und Kinemathek Karlsruhe

