In den schummrigen Garküchen des Category-III-Kinos brodelt es wieder. Eight Immortals Restaurant: The Untold Story (im Original: 八仙飯店之人肉叉燒包) ist eine blutige Urban Legend, gefiltert durch das neonverrauschte Auge von Herman Yau und getragen von einem Anthony Wong in Hochform – oder besser gesagt: in Ausnahmezustand.
Der Film basiert lose auf einem wahren Fall aus dem Macao der 1980er-Jahre, bei dem ein Restaurantbesitzer seine Gäste möglicherweise mehr als nur bewirtet hat. In Yaus Adaption wird daraus ein brutales Kammerspiel, das mit der Präzision eines Metzgers zwischen schwarzer Farce, Polizeiprozedur und Splattergroteske pendelt. Die Handlung entfaltet sich retrospektiv, als die Polizei eine verstörende Entdeckung macht: menschliche Überreste im Müll hinter dem „Eight Immortals“-Restaurant. Der mutmaßliche Täter: Wong Chi-hang, gespielt von Anthony Wong, der für seine Performance 1994 zu Recht den Hong Kong Film Award als Bester Hauptdarsteller gewann.
Wongs Darstellung ist ein fiebriger Ritt durch Wahnsinn, Sadismus und manische Komik – ein Vexierspiel aus kontrollierter Gewalt und bizarrem Slapstick. Die Gewalt ist explizit, aber nicht selbstzweckhaft – sie markiert vielmehr die Ränder eines moralisch ausgebrannten Systems. Die Polizei agiert hilflos, grotesk inkompetent, während der Täter fast schon satirisch souverän mit der Wahrheit spielt.
Yau und Drehbuchautor Law Kam-Fai führen uns durch ein Hongkong, das in seiner chaotischen Überdrehtheit an John Waters genauso erinnert wie an Tobe Hooper. Gewalt, Groteske, Gesellschaftskritik – alles kocht hier in einem Wok aus Galligkeit und Menschenfleisch. Besonders auffällig ist die Mise-en-scène: billige Kulissen, grelles Licht, grobkörnige Bilder – ein bewusst schäbiges Setup, das die psychische Desorientierung seiner Figuren visuell spiegelt.
Zugleich ist The Untold Story ein Film über Kontrolle. Über Systeme, die versagen, wenn die Gewalt sich nicht mehr zivilisieren lässt. Er macht aus seiner Herkunft keinen Hehl: Das Hongkong der frühen 90er ist nervös, dreckig, paranoid. Zwischen Rückgabefantasien und Unabhängigkeitsillusionen schneidet Yau mit seinem Skalpell tief in den Bauch der damaligen Gesellschaft.
Wer sich auf das Grenzland von Exploitation und Satire einlässt, wird mit einem der eigenwilligsten Filme des Hongkonger Kinos belohnt. Eight Immortals Restaurant ist nichts für Zartbesaitete – aber ein Muss für alle, die in den Untiefen des asiatischen Genrekinos nach Gold graben.
Fazit:
Ein nihilistischer Klassiker des Category-III-Kinos – bizarr, brutal, bitterböse. Anthony Wong liefert eine unvergessliche Performance, Herman Yau serviert Menschenfleisch mit Gesellschaftskritik. Guten Appetit.






