Eine Veranstaltung im Rahmen des Projektes Konrad Wolf im Kino des Bundesverbands kommunale Filmarbeit e.V, gefördert von der Bundeszentrale für politische Bildung.
Bulgarien 1943. Wehrmachts-Unteroffizier Walter ist in einer Kleinstadt stationiert und beaufsichtigt zivile, bulgarische Arbeiter einer Kfz-Werkstatt. Unweit entfernt werden griechische Juden für wenige Tage in einem Lager untergebracht. Sie sollen nach Auschwitz deportiert werden. Er lernt die Jüdin Ruth kennen, die ihn durch den Stacheldraht um Hilfe für eine Schwangere bittet. Walter nähert sich Ruth an, führt mit ihr Gespräche über Hoffnungen und Menschlichkeit und entwickelt Gefühle für sie.
Am 7.3. zu Gast ist Dr. Lisa Schoß mit einer kompakten Einführung zu Konrad Wolf und führt im Anschluss mit uns ein Filmgespräch.

Lisa Schoß, 1979 in Berlin geboren, studierte Neuere deutsche Literatur und Kulturwissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin. Sie ist Autorin des Buchs Von verschiedenen Standpunkten. Die Darstellung jüdischer Erfahrung im Film der DDR. Schriftenreihe der DEFA-Stiftung. Bertz + Fischer, Berlin 2023, 656 S.
Konrad Wolf, der berühmte Regisseur der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik (DDR), widmete sich in seinem Werk vor allem den Wunden des 20. Jahrhunderts, indem er sich mit humanistischer Sensibilität und einem selbstverständlichen Antinazismus der offiziellen Zensur widersetzte. Der Filmemacher, der nach der Flucht seiner Familie aus Nazideutschland in Moskau aufwuchs, stellte 1959 mit Sterne, einem der ersten Filme, der sich mit der deutschen Schuld im Holocaust auseinandersetzte, sein unerschütterliches künstlerisches und politisches Engagement unter Beweis.
Inspiriert von den Erinnerungen des bulgarischen Drehbuchautors Angel Wagenstein, erzählt Sterne (Stars), angesiedelt im Jahr 1943, die tragische Liebesgeschichte von Ruth (Sascha Kruscharska), einer inhaftierten griechisch-jüdischen Lehrerin, und Walter (Jürgen Frohriep), einem deutschen Unteroffizier, der in einem bulgarischen Durchgangslager stationiert ist. Hinter Stacheldraht entsteht zwischen ihnen eine zerbrechliche Verbindung, geboren aus vereitelten Hoffnungen und Träumen, die von der Nazi-Maschinerie zerschlagen wurden. Indem er die Geschichte dieser kurzen Affäre in einem Lager vor der Deportation nach Auschwitz inszeniert, erinnert uns Konrad Wolf auf einfühlsame Weise daran, dass Liebe, so flüchtig sie auch sein mag, angesichts des Unaussprechlichen immer ein Akt des Widerstands sein wird.

