Moshé Mizrahi, Israel 1973; 87’ OmU
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I Love You Rosa
אני אוהב אותך רוזה

In I Love You Rosa (Ani Ohev Otach Rosa) erzählt der israelische Regisseur Moshé Mizrahi eine Geschichte, die auf den ersten Blick klein wirkt – fast zu zart für große Worte. Doch hinter der stillen Fassade entfaltet sich ein vielschichtiges Drama über gesellschaftliche Zwänge, weibliche Selbstbestimmung und die leise Kraft der Liebe.

Im Mittelpunkt steht Rosa, eine junge Witwe im Jerusalem des ausgehenden 19. Jahrhunderts, die nach dem Tod ihres Ehemannes gezwungen ist, gemäß jüdischem Brauch den deutlich jüngeren Bruder des Verstorbenen zu heiraten – einen halbwüchsigen Jungen, kaum älter als ein Kind. Was zunächst wie ein anthropologisches Kuriosum anmutet, entwickelt sich unter Mizrahis Regie zu einem zutiefst humanistischen Film über Reife, Verantwortung und eine Frau, die sich dem Druck der Tradition widersetzt, ohne zu zerbrechen.

Mizrahis Regie ist zurückhaltend, fast dokumentarisch. Er beobachtet seine Figuren mit stillem Respekt, ohne moralischen Zeigefinger oder melodramatische Zuspitzung. Das Jerusalem des Films ist staubig, sonnendurchflutet, von der Welt scheinbar vergessen – und genau das macht es zur perfekten Kulisse für dieses stille Aufbegehren. Gila Almagor spielt Rosa mit einer Mischung aus Würde, Verletzlichkeit und innerer Stärke, die noch lange nachwirkt.

Die Beziehung zwischen Rosa und dem Jungen, der sie lieben lernt, ist so ungewöhnlich wie sensibel erzählt – frei von Voyeurismus, stets in Balance zwischen kultureller Authentizität und emotionaler Universalität. In einer Zeit, in der die Frauenrolle klar definiert war, zeigt der Film eine Heldin, die ihren eigenen Weg sucht, ohne laut zu sein – und gerade dadurch radikal wirkt.

I Love You Rosa war 1972 für den Oscar als Bester fremdsprachiger Film nominiert – zu Recht. Es ist einer dieser seltenen Filme, die still unter die Haut gehen. Kein Aufschrei, sondern ein Wispern – aber eines, das man nicht mehr vergisst.
Ein stilles Meisterwerk des israelischen Kinos – feministisch, poetisch, universell. Michal Bat-Adam brilliert in ihrer Rolle zwischen Pflicht und Freiheit, während Mizrahi mit feinem Gespür einen kulturellen Mikrokosmos entwirft, der heute noch berührt.

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