Termine:
Willkommen in der Bundesrepublik der 80er, irgendwo zwischen Dauerwelle, Leuchtstoffröhre und Synthiepop. Der Formel Eins Film ist kein Film im klassischen Sinn, sondern ein grelles, schräges Zeitdokument – eine Mischung aus Musikvideo, Slapstick, Medienparodie und BRAVO-Fantasie auf Zelluloid. Regisseur Wolfgang Büld (Punk in London, Gib Gas – Ich will Spaß) inszeniert das Ganze wie ein MTV-Fiebertraum – allerdings mit deutlichem WDR-Einschlag.
Im Zentrum steht Tommi Ohrner als Toby, der plötzlich als einziger Mensch die berüchtigte Musiksendung „Formel Eins“ nicht mehr empfangen kann – ein Medien-Supergau, der ihn quer durch Westdeutschland jagt. Die Handlung? Völlig egal. Sie ist Vorwand für Gastauftritte, Sketche und Musikclips von Falco, Nena, Kajagoogoo, David Hasselhoff, Purple Schulz, Rick Springfield und vielen mehr. Die Popwelt der 80er gibt sich ein Stelldichein, eingerahmt von Slapstick, Knallchargen und absurder Medienkritik im VHS-Stil.
Optisch ist das Ganze eine attackierende Collage aus Neon, Studioatmosphäre und albernem Kostümtrash. Sat.1-Ästhetik trifft NDW-Exzess – mit viel Ironie, aber auch echtem Archivwert. Wolfgang Büld versucht nicht, die Jugend zu erklären – er wirft sie einfach auf die Leinwand. Ungefiltert, überdreht, manchmal nervig, manchmal brillant.
Und so ist Der Formel Eins Film weniger ein Film als ein Popkultur-Schredder: wild, laut, unberechenbar – aber eben auch ein liebevoller Blick auf eine Ära, in der Fernsehen noch Lagerfeuer war und Popstars aus Bravo-Postern sprachen.

