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Zu Gast mit Einführung und Q&A: Telemach Wiesinger
… welcome to a journey of discovery through a multilayered subjective portrait along and across the borders of the European Union !
„Für sein Filmprojekt „12 ASTERISCI“ (nach den zwölf Sternen auf der Europaflagge) hat Telemach Wiesinger zahlreiche Orte an Binnen- und Außengrenzen der Europäischen Gemeinschaft aufgesucht und diese mithilfe seiner 16mm-Filmkamera in scheinbar entrückte Schwarzweiß-Schauplätze verwandelt. Den aktuellen, tagespolitischen Debatten enthoben, offenbaren die zuweilen archaisch anmutenden Artefakte den anachronistischen Charakter dieser letztlich willkürlichen Grenzziehungen und Abgrenzungen. Dabei versetzt die Montage die Schauplätze in einen kontinuierlichen „Flow“. Diese offene, experimentelle Form bewirkt, die Grenzen visuell zu verflüssigen und ihr starres Reglement in der Wahrnehmung des Publikums dadurch ästhetisch zu überwinden.“ (Jörg Schöning, cinegraph Hamburg)
„Dramaturgisch beginnt die Recherche in Deutschland, seiner vergangenen Ost/West-Teilungs-Geschichte und bewegt sich dann entlang seiner Innengrenzen. Wie ein „roadmovie“ der Neugierde folgend, öffnet sich der Blick bald weiter spiralförmig zu allen EU-Mitgliedsstaaten und ihren Außenposten. Gefühlt wird die unterschiedliche Temperatur von Jahreszeiten und Wetterlagen, wie auch die spezifischen Atmosphären von “harten und weichen” Grenzen Europas. Die Stationen des Überganges reichen von geradezu unmerklichen Landesgrenzen bis hin zu spürbar konfliktreichen Regionen, sie zeigen Orte der Vertrautheit und Szenerien der Rätselhaftigkeit oder Sonderbarkeit. Zwei Kräfte wirken auf die Einzelteile des Ganzen: Die Zentripetal- und die Zentrifugalkraft. Oder auch: Über der Flagge Europas kreisen die Sterne am grenzenlosen Firmament.“ (Telemach Wiesinger, Juni 2025)
Telemach Wiesinger ist in der Branche und bei Insidern für seine preisgekrönten analogen 16mm-Filme bekannt, darunter LANDED 20x und KALEIDOSCOPE, die in großen Retrospektiven, Performances, internationalen Festivals und anderen Ausstellungsräumen gezeigt wurden. Seine Kurz- und Langstreckenarbeiten zeichnen sich durch einen experimentellen Ansatz aus, der die Grenzen, die er erforscht, visuell auflöst und ihre starren Regeln ästhetisch überwindet. „12 ASTERISCI“, der beim Mostra Internazionale del Nuovo Cinema präsentiert wurde, unterscheidet sich nicht von den anderen, sondern bleibt durchgängig der Poetik, dem Ansatz, der Ästhetik und dem Modus Operandi sowohl der technischen als auch der erzählerischen Aspekte seiner früheren Filme treu.
Der deutsche Regisseur wandert wieder einmal mit seiner unzertrennlichen Kamera durch Zeit und vor allem Raum. Hatte er sich in KALEIDOSCOPE zu Lande, zu Wasser und in der Luft bewegt, um einen audiovisuellen Reisebericht in 21 Kapiteln zu schaffen, der zahlreiche Touren durch Europa und Nordamerika umfasst, so beginnt die Suche in 12 ASTERISCI in Deutschland mit seiner Geschichte der Ost-West-Teilung und verläuft dann entlang seiner Binnengrenzen. Der Blick schweift dann über das gesamte EU-Europa und die Außenposten der einzelnen Mitgliedsstaaten. Man nimmt die unterschiedlichen Temperaturen, Jahreszeiten und Witterungsverhältnisse sowie die spezifischen Atmosphären an den harten und weichen Grenzen des Alten Kontinents wahr.
Das Ergebnis ist eine Art Roadmovie, das eine Welt von Bewegungen und Strukturen durchquert, erkundet, einfängt und zurückbringt, von denen einige verlassen und entvölkert sind, die aber trotz Abnutzung und Verwandlung noch die Spuren und die Erinnerung an diejenigen bewahren, die in ihnen lebten und an das, was sie waren. Gefilmt mit Wiesingers unverwechselbarem, leidenschaftslosem Stil der reinen Beobachtung und seiner formalen Strenge, bestehend aus weitgehend fixierten und geometrisch geschnittenen 4:3-Aufnahmen, gelingt es 12 ASTERISCI gleichzeitig, auf zwei Ebenen zu arbeiten, die nebeneinander existieren, ohne jemals ineinander überzugehen. Die Schwarz-Weiß-Aufnahme, kombiniert mit Ton, ist einerseits objektiv, direkt und real, andererseits abstrakt, surreal und subjektiv.
Diese beiden Dimensionen gehen nahtlos ineinander über und geben einem Film Form und Substanz, der es schafft, sowohl physisch als auch metaphysisch zu sein, wobei Kamera und Mikrofon die Realität und die materiellen und seelischen Topographien erforschen und befragen. Überlagerungen von Sichtbarem und Hörbarem, manchmal synchron und manchmal nicht, oszillieren zwischen Dokumentation und Momenten der Epiphanie. In der Zeitleiste nehmen sie so ihren Platz ein und bilden eine Art Mosaik, Bilder und Klänge mit starkem Realismus und andere, die ebenso eindringlich wie hypnotisch sind und das Auge und die Aufmerksamkeit des Betrachters in ein Ergebnis ziehen, das eine eindringliche und sinnliche Erfahrung ist.
(Francesco Del Grosso, https://www.cineclandestino.it/12-asterisci/)

