Die besten Jahre unseres Lebens

 

Kino zwischen Krieg und Frieden

Das Filmprogramm der Kinemathek im Rahmen der 22. Europäischen Kulturtage trägt den Titel „Die besten Jahre unseres Lebens - Kino zwischen Krieg und Frieden“. Die Auswahl umfasst zum einen Filme, die von 1914 bis in die 1940er Jahre reichen und exemplarisch die wechselnden Bilder zeigen, die sich das Kino vom Ersten Weltkrieg gemacht hat. Ein zweiter Fokus liegt auf Filmen, die nach weiteren Kriegen des 20. Jahrhunderts entstanden sind. Sie fragen nach den Folgen dieser Gewalterfahrung, sie thematisieren den Zivilisationsbruch, den jeder Krieg darstellt.

 

Eröffnet wird das Programm mit DIE GROSSE ILLUSION, dem wohl bekanntesten Film über den Ersten Weltkrieg. Jean Renoirs Klassiker von 1937 ist ein zutiefst humaner Film über Klassengegensätze, die sich schwerer überwinden lassen als nationale Grenzen.

Mit historischen Archivaufnahmen, die in den Kriegsjahren 1914 bis 1918 entstanden sind, stellen wir das neue Portal European Film Gateway vor, auf dem europäische Archive ihre digitalen Sammlungen online zugänglich machen. Eine Ausgrabung ist der antideutsche Propagandafilm THE HEART OF HUMANITY aus dem Jahr 1919. Er schildert die Kriegserlebnisse von vier Brüdern aus Kanada. Berüchtigt ist der Film aber besonders für die Darstellung eines deutschen Offiziers, den Erich von Stroheim als monströsen Herrenmenschen spielt. Die Vorführung wird von Günter A. Buchwald am Klavier begleitet.

Ein kleiner Schwerpunkt widmet sich dem Hollywood-Pionier Carl Laemmle, der 1915 mit der Gründung von Universal-City den Grundstein für die Traumfabrik legte. Als Deutsch-Amerikaner geriet er immer wieder zwischen die Fronten seiner alten und neuen Heimat. Die Filmwissenschaftlerin und Laemmle-Biografin Cristina Stanca-Mustea untersucht die Rolle dieses Grenzgängers in einem Vortrag. Im Anschluss ist der Film IM WESTEN NICHTS NEUES zu sehen, den die Universal 1930 produziert hat.

 

Der amerikanische Film DIE BESTEN JAHRE UNSERES LEBENS entstand 1946 unter der Regie von William Wyler. Es ist das meisterhaft inszenierte Porträt der Nachkriegsgesellschaft am Beispiel dreier Soldaten, die nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in ihre Kleinstadt zurückkehren. Die Beschaulichkeit und Unversehrtheit dieses Ortes passt aber nicht mehr zu ihren Erlebnissen der letzten Jahre. Eine ähnliche Erfahrung machen auch die Protagonisten in dem Vietnam-Film DIE DURCH DIE HÖLLE GEHEN von Michael Cimino, der damit einen Schlüsselfilm des amerikanischen Kinos der 1970er Jahre schuf. Der Irak-Krieg ist die jüngste militärische Auseinandersetzung in diesem Programm. THE MESSENGER – DIE LETZTE NACHRICHT aus dem Jahr 2009 begleitet zwei US-Militärs wie sie den Hinterbliebenen von getöteten Soldaten die traurige Nachricht überbringen. Dabei müssen sie feststellen, dass sie zwar den Krieg überlebt haben, eine Rückkehr in eine zivile Normalität aber für sie sehr schwer wird.

Ein Kunststück ist Michael Powell und Emeric Pressburger 1943 mit dem Film
LEBEN UND STERBEN DES COLONEL BLIMP gelungen. Er ist ein britischer Propagan-dafilm gegen Nazi-Deutschland, der zugleich untergründig nach dem moralischen Preis fragt, den England für den Sieg zu zahlen hat. Ein brillanter Film, der heute von vielen als britische Antwort auf Orson Welles’ Citizen Kane gesehen wird.

Den Abschluss des Programms bildet die Karlsruher Erstaufführung von Derek Jarmans WAR REQUIEM. Als Grundlage für seine filmische Adaption des berühmten Musikstücks dient Jarman die legendäre erste Studioeinspielung des Oratoriums unter Leitung des Komponisten Benjamin Britten.