Tatis Schützenfest

Jour de fête
Frankreich 1949, Jacques Tati
mit Jacques Tati, Guy Decomble, Santa Relli. Digital, 76 Min., Französisch/dt. Untertitel

 

 

Schützenfest in einem französischen Dorf: Lampions, Karussells, Wurfbuden - die Attraktion aber ist ein Kinozelt. Dort sieht Francois, der Briefträger, einen Film über die amerikanische Post und ist überwältigt von der Schnelligkeit seiner Kollegen. Nach jahrzehntelangem, beschaulichem Dienst fühlt sich Francois nun bei seiner Ehre gepackt. Schluss mit den behäbigen Zustellfahrten und den Schwätzchen mit den Empfängern, denn mit seinem klapprigen Dienstrad - und ein paar Tricks - versucht er alle Geschwindigkeitsrekorde zu brechen.

Jacques Tati zählt zu den größten Komikern der Filmgeschichte, obwohl er nur fünf abendfüllende Filme realisiert hat. Sie sind bis ins Detail durchkomponiert, sie leben von der Überzeichnung und seinem akrobatischen Können, das er sich als Bühnenkomiker und Pantomime jahrelang erarbeitet hatte. Die Mischung von genauer Beobachtung des Alltags und absurder Komik macht die Filme von Jacques Tati so einzigartig. Dabei steht er in der Tradition der großen Stummfilmkomiker und besonders seine Nähe zu Buster Keaton ist unübersehbar. Beide entwickeln ihre besten Gags aus visuellen Einfällen und weniger aus den Verwicklungen einer Geschichte. Der Blick aus einer bestimmten Perspektive und eine Situation kann auf einmal sehr komisch und auf wundersame Weise sogar poetisch erscheinen.