Der Mann auf dem Quai

L’homme sur les quais
Haïti/Frankreich 1993, Raoul Peck
mit Jennifer Zubar, Toto Bissainthe, Patrick Rameau. 16mm, 99 Min., Kreol, Französisch/dt.UT

 

 

DER MANN AUF DEM QUAI schildert das Leben unter dem Militärregime in Haïti aus der Perspektive eines Mädchens. Dabei strebt er keine realistische Nachinszenierung von historischen Ereignissen an, vielmehr versucht er zu fassen, wie ein böser Traum, der Wirklichkeit wurde, von einem Kind erlebt wird.  

Was soll die achtjährige Sarah, die Hauptfigur seines Filmes, denken, wenn sie vom Balkon herab mitansehen muss, wie der Vater in Uniform einen Verwandten der Familie mit einer Eisenstange malträtiert? Die Diktatur spaltet Familien. Die Männer auf den Quais, auf die der Titel anspielt, sind die Geheimpolizisten jener Tage. Einer von ihnen ist der Sadist Janvier, der auch den relativ regierungstreuen Vater Sarahs noch zu vertreiben wusste.

Peck hat einen atmosphärisch dichten Film gestaltet. Was ihn auszeichnet, ist sein Augenmerk auf kleinste Details, die der Atmosphäre von damals jene unerträgliche Spannung auferlegen, ist die quälende Stille, die an die ritualisierte Stille mancher Western erinnert: hier rekurriert sie auf eine Wirklichkeit, in der es nichts zu spaßen gab.

DER MANN AUF DEM QUAI war der erste Film aus der Karibik, der im Wettbewerb von Cannes uraufgeführt wurde. Der Film erhielt – wie auch der Spielfilm LUMUMBA (2000) – viele internationale Preise.