Die zerrissenen Stiefel

Rwanyje Baschmaki
UdSSR 1933, Margarita Barskaja
mit Michail Klimow, Iwan Nowoselzew, A. Tschekulajewa. 35mm, 84 Min., dt.Untertitel.

 

 

Der Film beginnt mit zwei dokumentarisch beobachteten Kinderspielen, Projektionen der Erwachsenenwelt: Die Kinder spielen Verkaufsladen und imitieren ihre Eltern: Die Kunden jammern wegen der vielen zu stopfenden Kindermäuler, wollen anschreiben lassen. Oder die Kinder spielen Doktorbesuch: Ein Junge mit Brille (= Doktor) horcht die anderen mit dem Stethoskop ab. Egal ob sie über Bauch- oder Zahnschmerzen klagen, er lässt sie heftig ein- und ausatmen. Auf das Abklopfen des Rückens folgt die prompte Schnelldiagnose. Spuren von Alltagsarmut und Tuberkolose-Epedemien, reflektiert im Kinderspiel.

DIE ZERRISSENEN STIEFEL ist der erste Sowjetfilm, der explizit mit Kindern und für Kinder gedreht wurde - und einer der ersten Tonfilme, gedreht von einer Filmemacherin. Das Spiel der fünf- bis elfjährigen Darsteller besticht durch Natürlichkeit und Frische. Die eigentliche Handlung ist eine holzschnittartige Polit-Fabel über demonstrierende und streikende Dockarbeiter und ihre Kinder, angesiedelt in einer namenlosen deutschen Hafenstadt Anfang der 1930er Jahre. Hier tobt der Kampf auch zwischen Kommunisten und Sozialdemokraten. Dieser Klassenkampf findet ebenso unter den Kindern statt und findet in wunderbar inszenierten Prügeleien im Klassenzimmer seinen Höhepunkt.

 

Mit einer Einführung von Thomas Tode.

 

Kombiticket für Vortrag und Filmvorführung: 10,- Euro / 7,- Euro

 

Eine Veranstaltung in Zusammenarbeit mit dem Badischen Kunstverein anlässlich der Ausstellung Michaela Melián: IN A MIST (25.4. - 22.6.2014)