Lettow-Vorbeck

Der Deutsch-Ostafrikanische Imperativ
BRD 1984, Christian Doermer
mit Christian Doermer, Andreas Graf Dönhoff, Michael Burisch. 35mm, 95 Min.

 

 

August 1914, Kriegserklärungen werden in Europa ausgesprochen. In der Kolonie Deutsch-Ostafrika ist Paul von Lettow-Vorbeck Kommandeur einer kleinen Garnison deutscher und afrikanischer Soldaten und möchte Initiative ergreifen. Er ignoriert die Befehle aus Berlin und die des Gouverneurs der Kolonie Heinrich Schnee, Deutsch-Ostafrika zu neutralisieren. Über vier Jahre gelingt Lettow-Vorbeck und seiner deutsch-ostafrikanischen Armee der Widerstand gegen die viel größere Streitmacht aus britischen, belgischen und portugiesischen Truppen, bis er 1918 infolge des Waffenstillstandes ungesiegt kapituliert. Bis in die BRD gilt Lettow-Vorbeck als heldenhafte Figur, heute wird er von Historikern kritisch betrachtet.

Der Film begleitet den Kampf der deutsch-ostafrikanischen Armee aus der Sicht der Hauptfigur, gespielt vom Regisseur Christian Doermer. Für Doermer entwickelt sich die Arbeit an diesem Film zu einem vierjährigen Leidensweg, der Produktionszeit und -aufwand des ursprünglichen ZDF-Auftrags weit überschreitet. Momente der Verzweiflung am Filmprojekt oder der Reflektion über die Bedeutung der Kolonialgeschichte für die Gegenwart baut Christian Doermer als Brüche in die Filmerzählung mit ein. Dabei bleibt die Position des Films gegenüber dem General stets mehrdeutig. Der Film zeigt einen persönlichen Umgang mit dem historischen Stoff und den Versuch, die Kolonialzeit als nicht abgeschlossenes Kapitel deutscher Geschichte darzustellen.

 

Mit einem einführenden Vortrag von Prof. Wolfgang Struck, Universität Erfurt.

 

Die Vorführung ist Teil des Projekts Mémoires Perdues und dessen Begleitprogramms Colonial Omissions anlässlich der 22. Europäischen Kulturtage 2014.