Zwischen den Fronten - Der Filmpionier Carl Laemmle / Im Westen nichts Neues

Vortrag von Dr. Cristina Stanca-Mustea, ca. 40 Min.

 

 

Der 1867 im württembergischen Laupheim geborene Carl Laemmle ist als Begründer des Universal-Studios einer der Pioniere der amerikanischen Filmindustrie. Die Eröffnung seines riesigen Studiogeländes Universal-City 1915 in Kalifornien gilt als Grundsteinlegung der Traumfabrik Hollywood. Als Deutsch-Amerikaner stand er im Ersten Weltkrieg unter dem Druck, seine patriotische Gesinnung gegenüber den USA zweifelsfrei unter Beweis zu stellen. In der Folge produzierte er einige antideutsche Propagandafilme, was ihm in seiner alten Heimat nie verziehen wurde. Dabei verstand sich Laemmle ein Leben lang als Vermittler zwischen den beiden Ländern.

Mit der Verfilmung des pazifistischen Romans „Im Westen nichts Neues“ von Erich Maria Remarque verband er 1930 die Hoffnung, bei den Amerikanern Verständnis für die Deutschen im Ersten Weltkrieg zu wecken, die er eher als Opfer des wilhelminischen Militarismus sah und nicht als die aggressiven Hunnen seiner früheren Propagandafilme. In Deutschland führte der Film in der langsam untergehenden Weimarer Republik aber zu heftigen Auseinandersetzungen. Besonders die erstarkenden Nationalsozialisten denunzierten Laemmle und bekämpften den Film mit allen Mitteln.

 

Der Filmpionier Carl Laemmle und seine nicht einfache Position zwischen Propaganda und Zensur, zwischen Amerika und Deutschland stehen im Mittelpunkt des Vortrags von Cristina Stanca-Mustea. Sie studierte in Bukarest, Wien und Heidelberg Kulturwissenschaft und Filmgeschichte. Aus ihrer Dissertation über Carl Laemmle entstand die 2013 erschienene Biografie „Carl Laemmle - Der Mann, der Hollywood erfand“.

 

Vorführung im Anschluss an den Vortrag:

 

Im Westen nichts Neues

All Quiet On the Western Front

Lewis Milestone, USA 1930

mit Lew Ayres, Louis Wohlheim, John Wray, 133 Minuten, deutsche Untertitel

Die Verfilmung des Romans von Erich Maria Remarque erzählt von dem Gymnasiasten Paul Bäumer, der sich wie alle seine Klassenkameraden freiwillig zum Fronteinsatz meldet. Befeuert hat sie dabei ihr Lehrer, der vom „Heldentod“ und dem „Sterben fürs Vaterland“ schwärmte. Bald erfahren sie wie unsinnig das alles ist. Sie erleben den Schrecken des Ersten Weltkriegs als ein massenhaftes Sterben in den Schützengräben.

Das Buch und der Film verdammen den Krieg an sich. Mit dieser entschiedenen Haltung traten sie einer romantisierenden Verklärung des Ersten Weltkriegs entgegen, die bereits wenige Jahre nach 1918 einsetzte. „Im Westen nichts Neues“ wurde in vielen Ländern zensiert, gekürzt und häufig verboten. In Deutschland eskalierte der Streit um den Film zu einem politischen Machtkampf zwischen den sich radikalisierenden Parteien der Weimarer Republik Ende 1930.

 

Eintritt 8.- € / 6,50 € ermäßigt