Baal

BRD 1970, Volker Schlöndorff
mit Rainer Werner Fassbinder, Margarethe von Trotta, Siegfried Graue. Digital, 87 Min.

 

 

Bertolt Brecht schrieb die erste Fassung seines frühen Dramas „Baal“ unmittelbar nach dem Ende des Ersten Weltkriegs. Ein unter dem Eindruck des Expressionismus entstandenes Stück über einen jungen Dichter, der als Gegenentwurf eines entrückten Poeten konzipiert ist. Volker Schlöndorff verlegt in seiner für den WDR entstandenen Verfilmung die Handlung in die Gegenwart der späten 1960er Jahre. Sein Dichter verachtet die Gesellschaft, von der er sich gleichzeitig aushalten lässt.

Rainer Werner Fassbinder spielt diesen Jungpoeten als wahren Kotzbrocken, der sich durchfrisst und alle ausnutzt. Nach der Fernsehausstrahlung verbot die entsetzte Brecht-Erbin Helene Weigel jede weitere Aufführung. In der Folge verschwand BAAL in der Versenkung und wurde in über 40 Jahren zu einem Gerücht des jungen deutschen Films. Erst jetzt gelang es der Fassbinder-Foundation den Bann zu brechen und den Film zu restaurieren. Nach seiner viel beachteten Wiederaufführung bei der letzten Berlinale kann er nun zum ersten Mal im Kino gezeigt werden.

„Ein Meisterstück der Kinopubertät, das grell ist und geil, morbide und fleischlich und blutig. Die Prätention ist manchmal unerträglich – und natürlich saukomisch. Ein Rest von revolutionärem Überschuss, es gilt die Nachkriegsgesellschaft zu sabotieren, indem man ihre nützlichen Idioten funktionalisiert.“ (F. Göttler, SZ 25.3.2014)