Die Stadt als Beute

Deutschland 2016, Andreas Wilcke
Digital, 82 Min.

 

 

Lange hatte Berlin einen Sonderstatus unter den deutschen Städten. In der geteilten Stadt hatte sich vieles anders entwickelt als in ähnlich großen Städten. Vor dem Mauerfall war Westberlin ein Fluchtort und ein Ort der Selbstverwirklichung für viele Bewohner*innen der BRD, nach dem Mauerfall gab es plötzlich freie Flächen in hohem Maße und die Stadt brauchte Zeit, um zu einem Ganzen zusammenzuwachsen. Bis in die zweite Hälfte der Nullerjahre stand Wohnraum zu erschwinglichen Mieten auch in bester Lage noch zur Verfügung, dann begann der rasante Umbau der Mieter- in eine Eigentümer- und Hochpreisimmobilienstadt. Vier Jahre lang hat der Filmemacher Andreas Wilcke, der seit den 1990er Jahren im Stadtteil Friedrichshain lebt, die Veränderungen auf dem Berliner Wohnungsmarkt dokumentiert, betroffene Mieter*innen, Aktivisten und Politiker interviewt, aber auch Kaufinteressent*innen, Makler und Investoren, die erstaunlich unverblümt ihre Ansichten kundtun. Deutlich wird dabei der Wandel von der Stadt als Lebensraum zum Spekulationsraum, aus dem die ärmeren Bevölkerungsschichten - wie in vielen Großstädten Europas - durch steigende Mieten verdrängt werden.