Nachtspiele

Nattlek
Schweden 1966, Mai Zetterling
Digital, 105 Min., dt. Untertitel, mit Ingrid Thulin, Keve Hjelm, Jörgen Lindström, Lena Brundin.

 

 

Auf zwei parallelen Handlungsebenen erleben wir den schmerzhaften Versuch eines jungen Mannes, sich von den Erinnerungen an seine Mutter zu befreien. Wir erleben die Hauptperson Jan zugleich als 12- und als 35-Jährigen, der mit seiner Verlobten sein Elternhaus – ein altes Schloss – besucht, wo beide sich nach der Hochzeit niederlassen wollen. Bei der Besichtigung drängen sich immer wieder Erinnerungen an die neurotische Mutter in den Vordergrund. Erst als das Schloss bei einer orgiastischen Feier in Schutt und Asche fällt, ist für die beiden jungen Leute der Weg frei in die Zukunft.

Mai Zetterling, die als Schauspielerin begann, später Regie führte, Drehbücher und Romane schrieb und sich im Laufe ihres Lebens immer stärker dem Feminismus zuwendete, hat ein vielseitiges, wenn auch nicht immer verstandenes Werk geschaffen. So wurde - nach ihrem Debüt LIEBENDE PAARE 1964 in Cannes - 1966 beim Filmfestival in Venedig auch ihr zweiter Film NACHTSPIELE wegen allzu drastischer Szenen aus dem Wettbewerb ausgeschlossen. Ihre Filme, die sich mit der Einsamkeit von Frauen und sexuellen Obsessionen auseinandersetzen, machten sie zu einer der respektiertesten Filmemacherinnen ihrer Generation und gleichzeitig zu einer der Pionierinnen der Frauenbewegung.