Zum Beispiel Balthasar

Au hazard Balthasar
Frankreich/Schweden 1965, Robert Bresson
mit Anne Wiazemsky, François Lafarge, Philippe Asselin. 16mm, 94 Min., engl.Untertitel

 

 

Um das Schicksal eines meist verachteten und geschundenen Esels namens Balthasar ranken sich episodisch die Schicksale eines jungen Mädchens, des Nachbarjungen, ihrer Eltern und anderer Personen. Bressons Film bedient sich gleichnishaft und in fast meditativem Erzähl- und Bildrhythmus des Tieres als Stellvertreter für die menschlichen Leiden und erzählt damit eine merkwürdige neue Passionsgeschichte.

"Der Esel durchlebt die gleichen Phasen wie ein Mensch - in seiner Kindheit die Liebkosungen, im reifen Alter die Arbeit, das Talent inmitten des Lebens und dann die letzte Mystik, die knapp dem Tod vorangeht. Der Esel trägt die Reliquien und stirbt dann, weil er die Sünden der Menschen trägt. Damit vermischt habe ich einen zweiten Gedanken: der Esel begegnet verschiedenen Menschen, die jeder für sich ein menschliches Laster verkörpern - den Hochmut, die Trunksucht, die Faulheit usw. Diese beiden Gedanken bilden, wenn Sie so wollen, den Stoff meines Films." (Bresson)

Sicherlich ist dies einer der ersten Filme der Filmgeschichte, in denen ein Tier nicht zur Projektion von sentimentalen Gefühlen missbraucht oder auf falsche Weise "vermenschlicht" wird. Das Auge Balthasars betrachtet die Welt stumm und doch wie ein Richter. Dieses Auge wird zum Spiegel, in dem sich der Zustand der Welt reflektiert. (Ulrich Gregor)