Lerchen am Faden

Skrivánci na nitích
CSSR 1969, Jiri Menzel
mit Rudolf Hrušínsky, Václav Neckár, Jitka Zelenohorská. Digital, 100 Min., dt.Untertitel

 

 

Die tschechische Industriestadt Kladno in den fünfziger Jahren. Ehemalige “bourgeoise Elemente” - Intellektuelle und kleine Ladenbesitzer - sollen durch Zwangsarbeit in einem Schrottlager “umerzogen” werden. Ab und an “verschwindet” einer von ihnen - doch trotz dieser ständigen Bedrohung gewinnen sie ihrer Lage tragikomische Aspekte ab. Nebenan arbeiten Frauen, die vor allem wegen missglückter Fluchtversuche ins Ausland verurteilt wurden. Kontaktaufnahme ist verboten. Doch der Aufseher Engel drückt gelegentlich ein Auge zu. Er selbst ist hoffnungslos verliebt in eine Zigeunerin, die er heiraten und auf seine Weise “umerziehen” will.
Ein zwischen poetischer Gestaltung, überzeugender humaner Parteinahme und folkloristischen Elementen angelegtes filmisches Meisterwerk, das mit subtilsubversivem Humor die Fassaden von Politik und Ideologie durchlöchert. Virtuos verbinden sich bissige politische Kommentare mit warmherziger Sympathie für die Menschen.
Nach Fertigstellung des Films 1969 wurde die Tschechoslowakei schon von russischen Panzern kontrolliert, und die folgende “Normalisierung” brachte viele grausame Änderungen, unter anderem die Berufung neuer Verantwortlicher für das Tschechoslowakische Kino. Sie schlossen LERCHEN AM FADEN in einen Panzerschrank ein, hinderten den Regisseur des Films mehrere Jahre am Arbeiten und glaubten, dass ihre “Herrschaft” ewig dauern würde. Glücklicherweise nahm die Geschichte einen anderen Verlauf. Erst 21 Jahre später feierte der Film bei den Filmfestspielen in Karlovy Vary und Berlin seinen verdienten Triumph.