Kid Thing

USA 2012, David Zellner
Digital, 83 Min., dt. Untertitel, mit Sydney Aguirre, Nathan Zellner, David Zellner.

 

 

In KID THING finden sich viele der formalen und inhaltlichen Elemente, die das neue realistische US-Kino auszeichnen. Er spielt unter gesellschaftlichen Außenseitern an einem eher trostlos wirkenden Ort im Hinterland, er kommt ohne viele Dialoge aus und hat eine jugendliche Hauptfigur. Was den Film von anderen unterscheidet, ist eine surreale, fast märchenhafte Ebene, die hinzukommt. Die 10-jährige Annie lebt mit ihrem Vater in einem Vorort irgendwo in Texas. Im Moment hat sie viel Zeit, weil ihre Schule kurzfristig schließen musste. Sie zieht mit dem Fahrrad durch die Gegend und lässt dabei ihrer Aggression und destruktiven Langeweile freien Lauf. Ihr Vater hängt meist mit seinem Kumpel Marvin herum, eine große Hilfe ist er für seine Tochter nicht. Wenn der Kühlschrank mal wieder leer ist, besorgt sie sich was im lokalen Supermarkt. Doch Annie hat ein Geheimnis. Aus einem Loch im Wald spricht eine Frau zu ihr, die Esther heißt und immer eindringlicher um Befreiung bittet. Für Annie, der ihr eigentliches Zuhause schon reichlich unwirklich erscheint, ist die Stimme im Wald völlig normal. Regisseur David Zellner, der auch die Rolle des Vaters spielt, ist mit dieser irritierend eigenwilligen Emanzipationsgeschichte eines der ungewöhnlichsten Werke des jüngeren amerikanischen Independent-Kinos gelungen.