Der Samurai

Deutschland 2014, Till Kleinert, 80 Min.

 

 

Jakob, ein junger Dorfpolizist, der in der brandenburgischen Einöde alle möglichen Störungen von Recht und Ordnung ahndet, geht Meldungen nach, denen zufolge ein einsamer Wolf in den Wäldern sein Unwesen treibt. Doch dieser stellt sich alsbald als Mensch heraus, als junger Mann mit langem blonden Haar, in ein weißes Kleid gewandet, mit wildem Blick, in der Hand ein japanisches Samurai-Schwert. Dass die teuflisch scharfe Waffe nicht nur dekorativen Zwecken dient und ihr Träger vor nichts zurückschreckt, dokumentiert die Schneise der Verwüstung, die der einsame „Samurai“ hinter sich lässt. Unter den Opfern seines blutigen Kreuzzugs befindet sich – neben geköpften Gartenzwergen – auch der ein oder andere Dorfbewohner ...

Ähnlich wie sein Protagonist sich durchs brandenburgische Flachland schlägt, wildert auch Regisseur Till Kleinert in seinem aufsehenerregenden Spielfilm-Debüt in den unterschiedlichsten Filmgenres. Neben Anspielungen auf Grimm’sche Schauermärchen – der finstere Wald, Mondschein und einsame Wölfe sind allgegenwärtig – ist der Film vor allem durch den raffinierten und unterhaltsamen Einsatz von Stilmitteln aus Werwolf-, Slasher-, Thriller- oder Horror-Filmen geprägt. Doch hinter all dem Splatter-Trash steckt die ungewöhnliche und überraschende Geschichte einer Befreiung aus der Verdrängung: eine albtraumhafte Coming out-Geschichte, in der uns der Regisseur und Drehbuchschreiber Kleinert auf eine mit Freud’schen Symbolen und Chiffren gespickte Reise in das Unterbewusstsein des schüchternen Polizisten schickt. Nach und nach deckt der Film verschiedene Schichten von Jakobs Psyche auf, der – zwischen Faszination und Ekel vor dem unbekannten Wesen schwankend – eigentlich in eigener Sache unterwegs ist.

Darüber hinaus begeistert DER SAMURAI mit stimmungsvollen Bildern des nächtlichen Waldes, exzellentem Sounddesign und einer guten Portion Humor. Nicht ohne Grund war die Presse nach Vorführungen bei der diesjährigen Berlinale und dem renommierten Tribeca Film Festival in New York voll des Lobes. Der Berliner Tagesspiegel meinte: „Die Geschichte der entfesselten Bestie sprengt mit ihrer wilden Fantasie den Vorgartenhorizont der meisten deutschen Produktionen.“ Während das amerikanische Branchenblatt The Hollywood Reporter Till Kleinerts Debütfilm als „trashigen queeren Thriller“ feierte, der durch „Intensität und Atmosphäre“ überzeugt.