La vie d'Adèle

Frankreich 2013, Abdellatif Kechiche, 179 Min.
Digital, dt. Untertitel.

 

 

Es ist schon sehr widersprüchlich, was sich 2013 in Frankreich abspielt: Der Unmut über die Einführung der „Homo-Ehe“ treibt Hunderttausende auf die Straßen und gleichzeitig gewinnt bei den 66. Filmfestspielen in Cannes erstmals ein leidenschaftliches lesbisches Drama die „Goldene Palme“. Und das, obwohl der Film an Intensität und sinnlicher Freizügigkeit seinesgleichen sucht.

Alles scheint ganz einfach. Die 15-jährige Adèle liebt französische Literatur, glaubt an lebensbestimmende Begabungen und fühlt sich zur Lehrerin berufen. Nur mit den Gefühlen für das andere Geschlecht ist das so eine Sache. Dabei glaubt sie fest an die Liebe auf den ersten Blick. Diese erfährt Adèle, als sie zufällig der Kunststudentin Emma über den Weg läuft. Emma ist selbstbewusst, trägt blaue Haare und hat sich einem liberal-intellektuellen Lebensstil verschrieben. Von der gegensätzlichen Art der Anderen angezogen, begehren sich die beiden Frauen. Was als heißblütige Affäre beginnt, entwickelt sich nach und nach zu einer großartigen, erwachsenen und leidenschaftlichen Liebesbeziehung. Mit allem, was dazu gehört – gemeinsamer Wohnung, gemeinsamer Lebensgestaltung, gemeinsamen Freunden. Alles geht gut, bis der Alltag im Lauf der Jahre Einzug in die Beziehung hält.

Der Film von Abdellatif Kechiche erzählt vom Auseinanderdriften eines Paares, aber vor allem sensibel und sehr explizit vom Begehren der Körper. Und weiter, wie es uns ergeht, wenn das gegenseitige Begehren allein nicht mehr ausreicht.

Für Aufsehen sorgte der fast dreistündige Film, der auf einem Comic basiert, unter anderem durch seine expliziten Sex-Szenen. Es ist das erste Mal, dass in Cannes ein Film mit der Goldenen Palme ausgezeichnet wird, in dem Homosexualität im Mittelpunkt steht. (Zeit online, 26.5.2013)