Das Turiner Pferd

A Torinói ló
Ungarn 2011, Béla Tarr
mit Erika Bók, János Derzsi, Mihály Kormos. 35mm, 150 Min., Ungarisch/dt. Untertitel

 

 

Inspirationsquelle für diesen Film ist eine kleine Episode aus dem Leben von Friedrich Nietzsche. Im Januar 1889 wird er Zeuge wie in Turin ein Kutscher mit der Peitsche auf sein unwilliges Pferd einschlägt. Um das brutale Verhalten zu beenden, wirft sich Nietzsche schluchzend um den Hals des Pferdes. Kurz danach umnachtet der Philosoph und verstummt für die letzten zehn Jahre seines Lebens. Dieses Schicksal ist vielen bekannt, was aus dem Pferd geworden ist, weiß dagegen niemand. Diese Geschichte erzählt jetzt der ungarische Regisseur Béla Tarr in einem meisterhaften Film. Gegliedert in fünf Tage beobachtet er das ärmliche Leben des Kutschers, seiner Tochter und des Pferdes. Das hört sich unspektakulär an, ist aber eine geradezu existenzielle Kinoerfahrung, wie man sie so nur in den hochverdichteten und brillant fotografierten Filmen dieses Regisseurs machen kann. Auf der Berlinale 2011, wo Béla Tarr den Großen Preis der Jury gewann, bezeichnete er DAS TURINER PFERD als seinen letzten Film.

Der Film existiert - auf Wunsch des Regisseurs - bis heute ausschließlich in analogen 35mm-Filmkopien. Bevor die Rechte des deutschen Verleihs auslaufen, bieten wir noch ein Mal die Gelegenheit, dieses Meisterwerk im Kino zu erleben.