Wo ich wohne – Ein Film für Ilse Aichinger

Österreich 2013, Christine Nagel
Digital, 81 Min.

 

 

In einer Kurzgeschichte der österreichischen Schriftstellerin Ilse Aichinger sieht sich die Ich-Erzählerin mit der allmählichen Verlagerung ihrer Wohnung vom vierten Stock in den Keller konfrontiert. Es handelt sich um eine Parabel über Fatalismus, Isolation und Teilnahmslosigkeit. Christine Nagels Film WO ICH WOHNE basiert auf Ilse Aichingers gleichnamiger Erzählung und verführt auf sinnliche Weise, sich auf das Werk der Autorin einzulassen. In schwarzweißen Spielszenen durchlebt eine junge Frau das Befremden der Figur aus der Geschichte. Hinzu kommen Impressionen vom heutigen Wien in Farbe, unveröffentlichte Super-8-Aufnahmen, die Ilse Aichinger in den 1960er/70er-Jahren selbst filmte, sowie Auszüge aus dem Briefwechsel mit ihrer Zwillingsschwester, die 1939 nach London flüchten konnte, während sie mit ihrer jüdischen Mutter zurück blieb. Christine Nagel ist mit ihrem Film eine vielschichtige Collage gelungen, die die Beweggründe des Schreibens und die existentielle Dimension von Aichingers Werk deutlich macht.

 

Mit einem Büchertisch der Metzlerschen Buchhandlung Karlsruhe.