Berberian Sound Studio

Gro├čbritannien 2012, Peter Strickland
Digital, 92 Minuten, dt. Untertitel, mit Toby Jones, Tonia Sotiropoulou, Susanna Cappellaro.

 

 

Im Jahr 1976 kommt der britische Toningenieur Gilderoy nach Rom. Der etwas verschroben wirkende, kleine Mann gilt als As auf dem Gebiet der Filmvertonung. Besonders Tier- und Naturfilme scheinen seine Spezialität zu sein. Was man genau von ihm erwartet, ist Gilderoy zunächst nicht ganz klar. Der italienische Regisseur Santini, dessen gewaltiges Ego nur unvollständig durch Talent gedeckt ist, hat einen Film mit dem Titel „Il Vortice Equestre“ gedreht, der nun in die Post-Production geht. Die Zuschauer sehen nur den Titel-Vorspann des Films, komponiert aus leuchtendem Rot und tiefem Schwarz, unterlegt mit einer treibenden Musik. Es ist ein typischer Giallo-Film über Hexenverfolgung, Satan und rächende Nonnen. Gilderoy soll die Tonspur erstellen, wofür er Gemüse mit dem Messer traktiert und reichlich Wassermelonen zermatscht. Aber es ist nicht nur der Film, der ihm fremd bleibt, die ganze billige Studioatmosphäre mit dauerüberdrehten Italienern erlebt der schüchterne Brite als ziemlich unwirklich. Die ganze Geschichte nimmt immer mehr kafkaeske Züge an, die Grenze zwischen Kinofiktion und Realität wird für ihn zunehmend undeutlich. Der Regisseur Peter Strickland hat mit BERBERIAN SOUND STUDIO eine intelligente Hommage an das Giallo-Genre inszeniert, die durch ihre brillante Tonspur den entstehenden Film komplett in den Kopf des Zuschauers verlegt. Getragen von einem kongenialen Toby Jones in der Hauptrolle.