Meridian oder Theater vor dem Regen

BRD 1980/83, Rüdiger Neumann
95 Minuten

 

 

Zu Beginn der 1980er Jahre konnte sich der damalige US-Präsident Ronald Reagan einen auf Europa begrenzten Atomkrieg gegen die Sowjetunion vorstellen. Für den Filmemacher Rüdiger Neumann war diese Bemerkung der letzte Anlass ein lange geplantes Projekt endlich zu realisieren. Eine filmische Reise entlang dem 10. Längengrad von Carrara an der italienischen Riviera bis nach Hirtshals im Norden Dänemarks. Also jenen Teil Westeuropas, der im Fall eines nuklearen Krieges die Frontlinie gebildet hätte und damit vom Verschwinden bedroht gewesen wäre. Dabei ist der Film keineswegs fatalistisch, sondern eine liebevolle Bestandsaufnahme, die offen ist für die vielfältigen Erscheinungen der Alltags- und Trivialkultur. Ein besonderes Augenmerk gilt der Tonspur, die eine komplexe Mischung aus Musik und Geräuschen enthält. Hier finden sich klassische Musik, Fetzen von Radiosendungen aus der Bundesrepublik und der DDR, das Heulen des Windes in Jütland und die Brandung der Ostsee. So entstehen ganz unterschiedliche Assoziationsräume, die der Zuschauer mit eigenen Gedanken und Emotionen füllen kann. Ein experimentierfreudiger Dokumentarfilm, der gleichzeitig sehr zu Herzen geht.