In der Fremde

BRD 1967, Klaus Wildenhahn
81 Minuten

 

 

Die 1960er Jahre stellen für die Entwicklung des Dokumentarfilms eine wichtige Zäsur dar. Die Ausdrucksmöglichkeiten des Kinos wurden durch technische Erneuerungen wie tragbare 16mm-Kameras und der synchronen Tonaufnahme ungeheuer erweitert. Dem Ideal einer teilnehmenden Beobachtung, die dank einer unaufdringlichen Technik möglichst wenig in die Realität eingreift, war man damit einen entscheidenden Schritt näher gekommen. In der Bundesrepublik stehen besonders die Filme des Dokumentaristen Klaus Wildenhahn für diese Richtung, die unter der Bezeichnung Direct Cinema bekannt wurde.

Für den NDR beobachtete Wildenhahn in dem Film IN DER FREMDE 1967 zwei Monate lang das Leben auf einer abgelegenen Baustelle im Oldenburgischen. An der Bahnstrecke Osnabrück-Bremen entsteht ein Futtermittelsilo. Gearbeitet wird in zwei Schichten, rund um die Uhr. Die Arbeiter sind auf Montage fern von Zuhause und ihren Familien. Die Schichten dauern 12 bis 14 Stunden, die Freizeit besteht aus Fernsehen, Kartenspielen und Männersprüchen. Als der Bau beendet ist, wird die Abschlussfeier zum Riesenbesäufnis. Bei seiner Erstausstrahlung in der ARD im Juli 1968 sorgte dieses ungeschminkte Bild bundesrepublikanischer Wirklichkeit für einiges Aufsehen.