Madame L'Eau

Niederlande/Frankreich/Niger 1993, Jean Rouch
mit Damouré Zika, Lam Ibrahim Dia, Tallou Mouzourane, 127 Minuten, deutsche Untertitel

 

 

Der französische Regisseur Jean Rouch ist der bedeutendste Vertreter des ethnographischen Kinos. Mit über 150 Filmen, von denen sehr viele in Afrika entstanden, hat er ein gewaltiges Oeuvre geschaffen. Für sein Alterswerk MADAME L'EAU hat sich der damals über 70-jährige Rouch einen Jux gemacht. Er stellt den europäischen Imperialismus auf den Kopf und lässt – wie schon Montesquieu oder Voltaire – die „Wilden“ und „Fremden“ nach Europa reisen. Drei Freunde vom Niger, charmante ältere Herren, studieren in den Niederlanden, wie man mit Hilfe von Windmühlen das ausgetrocknete Land bewässern könnte. Sie sind als Forscher gekommen und ihren Blicken folgt die von Jean Rouch geführte Kamera. Ein Besuch beim Institut für Wasserwirtschaft bleibt ohne Ergebnis, also machen sie sich mit gemieteten Hollandfahrrädern selbst auf die Suche nach Windmühlen. Der Film verbindet Improvisation, Dokumentarismus und Spielfreude zu einer ironischen und humorvollen Umkehrung der Perspektive. Der Zuschauer sieht das europäische Holland mit den Augen und Maßstäben der afrikanischen Besucher. Und plötzlich erinnern die Amstel an den Niger und die weidenden Kühe an Flusspferde.