Stimmen aus dem Wald

Me’ kivun ha’ yaar
Israel 2003, Limor Pinhasov/Yaron Kaftori
Digital, 94 Min., dt.UT; Originalsprachen: Russisch, Polnisch, Litauisch, Hebräisch, Englisch.

 

 

“Freitag, 11. Juli 1941. Das Wetter ist schön. Es weht ein warmer Wind. Der Himmel ist nur leicht bewölkt. Vom Wald her hört man Schüsse.” Mit diesen Worten beginnt das Tagebuch von Kazimierz Sakowicz, einem Einwohner aus dem Dorf Ponar, zehn Kilometer westlich von Vilnius, der Hauptstadt Litauens. In einem Wald nahe Ponar wurden zwischen 1941 und 1944 mehr als 100 000 Menschen ermordet - die meisten von ihnen waren Juden aus dem Ghetto in Vilnius. Ausgehend von Sakowicz’ Aufzeichnungen porträtiert der Film Menschen, die in unmittelbarer Nähe des Massenhinrichtungsplatzes lebten und teilweise noch heute leben. Demgegenüber stehen Zeitzeugenberichte von Überlebenden, die nach fast sechzig Jahren an den Ort der Massenerschießungen zurückkehren und sich an ihre traumatischen Erlebnisse erinnern. Anhand der Auszüge aus dem Tagebuch verbindet STIMMEN AUS DEM WALD die Erinnerungen der Dorfbewohner mit denen der Überlebenden und stellt die Frage nach der Mitschuld der mehrheitlich passiven Zeug(inn)en der Massentötungen, die auch noch sechs Jahrzehnte später jegliche Mitverantwortung bestreiten. (nach: Gerrit Woltemath, Asynchron, 2015)