Alois Nebel – Leben nach Fahrplan

Tschechien/Deutschland 2011, Tomáš Lunák
mit Miroslav Krobot, Marie Ludvikova, Leoš Noha, Karel Roden. Digital, 84 Min., dt.Untertitel

 

 

Der Fahrdienstleiter Alois Nebel lebt zurückgezogen und zieht das Sammeln und Lesen alter Fahrpläne der Gesellschaft von anderen Menschen vor. Er arbeitet an einem kleinen Bahnhof in Bílý Potok, einem abgelegenen Ort an der tschechoslowakisch-polnischen Grenze, dem früheren Sudetenland. Immer wieder hat Alois Visionen, regelrechte Erinnerungsattacken, die ihn in immer kürzeren Abständen heimsuchen. Dann sieht er Züge mit Geistern und Schatten aus der Vergangenheit, dem Zweiten Weltkrieg, der Vertreibung der Deutschen, der sowjetischen Besatzung. Er wird diese Alpträume nicht los und endet schließlich in einem Sanatorium. Dort lernt er „den Stummen“ kennen, der bei dem Versuch, die Grenze zu überqueren, verhaftet wurde. Niemand weiß, warum er nach Bílý Potok gekommen ist oder was er dort sucht, aber er ist es, der Alois Nebel dabei hilft, den Kampf gegen seine Dämonen aufzunehmen. Der Animationsfilm ALOIS NEBEL ist die Verfilmung eines tschechischen Comics von Jaroslav Rudiš und Jaromír 99. Tomáš Lunák hat die Szenen mit Schauspielern an historischen Schauplätzen gedreht und sie im Nachhinein mittels Rotoskopie in Comicästhetik übertragen. Mit harten Schwarz-Weiß-Bildern erzählt der Film eine atmosphärisch dichte Geschichte vom Leben in der tschechischen Provinz, von Schiebern und Kleinkriminellen. ALOIS NEBEL wurde 2012 mit dem Europäischen Filmpreis in der Kategorie „Bester Animationsfilm“ ausgezeichnet.