Counting

USA 2015, Jem Cohen
Digital, 111 Minuten, OF

 

 

Jem Cohens jüngster Film nach MUSEUM HOURS ist ein persönlicher Essay in 15 Kapiteln. Mit bemerkenswerter Intensität komponiert der Regisseur Bilder, Töne und Musik zu einem hypnotischen Streifzug durch Metropolen der Welt: New York, Moskau, St. Petersburg, Istanbul, Porto - und eine Stadt, die unbekannt bleiben soll. Die Zeit steht still und vergeht zugleich. Denn die Kamera ist wie ein Magnet, der Flüchtigkeit anziehen und festhalten kann: flackernde Lichter in Fenstern, flatternde Wimpel und Plastiktüten im Wind. Momentaufnahmen von populären und unbekannten Orten und Menschen, eindringliche Beobachtungen von Alltag, beiläufige Stimmen aus dem Off. Es ist das Leben selbst, das der Regisseur uns zeigt. Jem Cohen ist Flaneur und Straßenarbeiter zugleich, sein Film ein Archiv seiner Schritte - ein Lagerraum voll traumhafter Erinnerungen. So auch an Chris Markers CHATS PERCHÉS, denn immer wieder erscheinen Katzen in allen möglichen Variationen im Bild. Counting ist wie ein Sonntagsspaziergang durch Zwischenraum und Zwischenzeit - berührend und magisch zugleich. (nach: Ansgar Vogt, Forum 2015)