Tabu

Portugal 2012, Miguel Gomes
mit Laura Soveral, Ana Moreira, Manuel Mesquita. 35mm, 110 Min., dt.Untertitel

 

 

Der portugiesische Regisseur Miguel Gomes ist ein verblüffender Geschichtenerzähler mit einer schier grenzenlosen Phantasie, der sich mit seinen bislang drei Filmen eine ganz eigene Kinowelt erschaffen hat. Bei seinem jüngsten Werk erinnert nicht nur der Titel an den berühmten Stummfilm von F.W. Murnau aus dem Jahr 1931.

Der Film beginnt mit einem Prolog, in dem ein unglücklich verliebter Afrikaforscher von einem Krokodil verspeist wird, das darüber ebenfalls der Melancholie anheimfällt. Damit ist der Zuschauer darauf eingestimmt, dass ihm in diesem Film alles Mögliche widerfahren kann. In einem Wohnhaus im heutigen Lissabon leben drei ältere Damen, die ganz unterschiedliche Schrulligkeiten pflegen. Als Aurora im Sterben liegt, ist ihr letzter Wunsch ein Wiedersehen mit einem gewissen Gian Luca. Nun blendet der Film 50 Jahre zurück in eine weiße Enklave im Mozambique der ausgehenden Kolonialzeit. In der Ästhetik eines Stummfilms erzählt Gomes von der skandalösen Affäre einer frisch verheirateten Plantagenbesitzerin mit einem Abenteurer und Frauenhelden. TABU ist eine exzentrische Zeitreise voller Einfälle und Überraschungen, die alle Genregrenzen überschreitet.