Honig und Asche

Miel et cendres
Schweiz/Tunesien 1996, Nadia Fares
35mm, 80 Min., dt.UT

 

 

In ihrem mehrfach preisgekrönten Spielfilmdebüt erzählt Nadia Fares vom Alltag dreier Frauen verschiedener sozialer Herkunft und verschiedenen Alters im Tunesien der 1990er Jahre. Wie durch Zufall kreuzen sich ihre Wege. Momente des Erkennens, des Sich-Widerspiegelns, der selbstverständlichen Komplizenschaft entstehen.

Die zwanzigjährige Leila ist ein rebellierendes Mädchen, das ihre Familie verlässt, weil der Vater sie wegen ihres Verhältnisses mit einem jungen Mann schlägt. Ihr Studium verdient sie sich mit Prostitution, was ihr schließlich zum Verhängnis wird.

Amina hat mit 30 ihren ehemaligen Universitätsprofessor geheiratet. Doch aus der großen Liebe ist inzwischen die Hölle geworden. Die Wutausbrüche ihres Mannes enden meist in Handgreiflichkeiten, der letzte bringt sie mit einer schweren Handverletzung ins Krankenhaus.

Naima, 45 Jahre alt, ist Ärztin. Sie hat Leila vor drei selbsternannten „Tugendwächtern“, die das Mädchen vergewaltigen wollten, gerettet, und sie ist es auch, die Aminas gebrochene Hand behandelt.

Drei Geschichten vom Kampf um Würde und weibliche Autonomie in subtilen patriarchalischen Verhältnissen, die sich dramaturgisch geschickt zu einem Mosaik zusammenfügen. Feministisches Engagement und eine märchenhafte Metaphorik gehen dabei eine ungewöhnliche Allianz ein.