Charles Chaplin - Kurzfilme

 

 

Der Film hat viele Genies hervorgebracht, aber Charles Chaplin war wohl das einzige, dessen Kunst universell verstanden und geliebt wurde. Seine Pantomime, die Gesten und mimischen Situationen, die er erfand, um eine bestimmte Haltung auszudrücken, waren überall und unmittelbar verständlich. In seinen einfachen und klaren Geschichten kristallisierten sich allgemeinmenschliche Lebenserfahrungen: wie man durch den Alltag und dessen Wirrnisse kommt, wie man ein gebrochenes Herz verwindet, wie man aufbricht zu neuen Hoffnungen.

Die Geburtsstunde „Charlies“ schlug zwar schon 1914 bei Mack Sennetts Keystone Company, die Entwicklung des typischen Charakters seiner Figur gelang Chaplin jedoch in den Jahren 1915 und 1916 in Chicago. Dort hatte das Studio Essanay ihm eine eigene Aufnahmehalle eingerichtet und große künstlerische und finanzielle Freiheiten gewährt. Die Ein- und Zweiakter, die Chaplin bei Essanay produzierte, zeigen einen ständigen Fortschritt und Qualitäten, die damals neu für die Filmkomödie waren: Pathos, Ironie, Pantomime, die es mit der ernsten Schauspielkunst aufnehmen konnten und satirische Seitenhiebe auf soziale Themen.

 

Wir stellen vier Filme aus Chaplins Zeit bei der Essanay Film Manufacturing Company vor:

 

A Night Out
USA 1915, mit Chaplin, Ben Turpin, Leo White.

24 Min., OF

Nach einem Trinkgelage wird Charlie im Hotel von einer jungen Dame unbeabsichtigt in delikate Situationen gebracht und muss schließlich vor ihrem Mann die Flucht antreten. 


The Champion
USA 1915, mit Chaplin, Bud Jamison, Lloyd Bacon.

25 Min., OF

Um für sich und seinen Hund den Unterhalt zu verdienen, meldet sich Charlie als Sparringpartner für den Boxweltmeister. Da er seinen Handschuh mit einem Hufeisen „aufbessert", kann er den Champion besiegen...

 

The Tramp
USA 1915, mit Chaplin, Edna Purviance, Fred Goodwins.

26 Min., OF

Der Tramp Charlie beschützt die schöne Farmerstochter vor Nachstellungen und bekommt dafür einen Job. Sein Traum, als Held des Tages nun das Mädchen heiraten zu können, zerschlägt sich jedoch. Diese erste tragikomische Interpretation des Landstreichers macht THE TRAMP zum Hauptwerk unter Chaplins frühen Filmen.

 

Burlesque on Carmen

USA 1915/16, mit Chaplin, Edna Purviance, Leo White.

37 Min., OF

Schmuggler laufen im Hafen ein und ihr Führer schickt die schöne Zigeunerin Carmen an Land, um den spanischen Offizier Darn Hosiery abzulenken. Der verfällt prompt ihrem Bann und tötet seinen Vorgesetzten. Aber Carmen lässt ihn sitzen und entscheidet sich für den Torero Escamillo. Von  Eifersucht und Wut gepackt, nimmt Darn Hosiery einen Theaterdolch und stich auf sie und dann auf sich selber ein.

BURLESQUE ON CARMEN war Chaplins letzter Film für Essanay. Er parodierte hier nicht nur die Novelle Prosper Mérimées, sondern auch zwei Hollywood-Großproduktionen des Jahres 1915:  Cecil B. DeMilles Version mit dem Opernstar Geraldine Farrar und Raoul Walshs Produktion mit Theda Bara in der Titelrolle.