Heli

Mexiko/F/D 2013, Amat Escalante
mit Armando Espitia, Andrea Vergara, Linda González. Digital, 105 Min., dt.UT

 

 

Heli ist ein sehr junger Arbeiter in der Montagehalle des Autozulieferers Hirotec. Er lebt mit Vater, Schwester, Ehefrau und Baby recht beengt, in einem grauen Betonkasten in einer kleinen Stadt in Zentralmexiko. Der Freund der Schwester ist Rekrut bei einer Spezialeinheit der Polizei, wo ihm ein amerikanischer Ausbilder zusetzt. Als er seinem korrupten Vorgesetzten zwei Päckchen Kokain stiehlt, setzt er damit eine brutale Kettenreaktion in Gang. Verzweifelt versucht Heli seine Familie vor den Folgen des Diebstahls zu schützen. Der Film wirft einen harten Blick auf die alltägliche Gewalt der Drogenkartelle und der korrupten Polizei, die Mexikos Gesellschaft seit Jahren zerfrisst. Der 35-jährige Regisseur Amat Escalante, der lange Assistent von Carlos Reygadas war und 2013 in Cannes für HELI den Regiepreis erhielt, mutet in manchen Szenen dem Zuschauer einiges zu. Er verweigert sich jedoch einer hysterischen Erzählweise, die eine solche Zivilisationskatastrophe auch noch dramaturgisch ausbeuten würde. In seinen Bildern ist eine Ruhe, die vorgefundene Szenerien wirken lässt, leere und tote Momente nicht scheut - und doch auch die Schönheit des Morgenlichts einfach hinnimmt, wenn es den Weg in den Tod begleitet. Ein Film wie HELI markiert den Moment, wenn die Wirklichkeit das Kino nicht nur einholt, sondern überrollt. (nach: Tobias Kniebe, SZ)