Stories We Tell

Kanada 2012, Sarah Polley
mit Michael Polley, Mark Polley, Joanna Polley. Digital, 108 Min., deutsche Untertitel.

 

 

Mit ihrem dritten abendfüllenden Film hat Sarah Polley ein wahres Kleinod vorgelegt. Auf den ersten Blick ist er ein Dokumentarfilm über ihre eigene Familie und die früh verstorbene Mutter. Dabei wird schnell klar, dass Wahrheit oft eine Frage der Perspektive des jeweiligen Erzählers ist. Polley agiert hier als Filmemacherin und Detektivin, die versucht, den Geheimnissen ihrer Familie auf die Spur zu kommen. Sie enttarnt Widersprüche und legt auf diese Weise die Essenz der Familie frei, ohne zu vereinfachen, immer charmant, chaotisch und absolut liebevoll. Bei der Erforschung der diffusen Konstrukte von Erinnerung und Wahrheit nimmt sich die Filmemacherin selbst nicht aus. Auch der Blick ihres Films ist nur einer unter mehreren möglichen. Mit großer Offenheit reflektiert sie daher permanent die Entstehung ihres Films. Das Ergebnis ist ein ebenso spannender wie amüsanter Hybrid-Film, der bei internationalen Festivals reihenweise Preise abgeräumt hat. Die Frage von Sarah Polleys Schwester im Film „Who fucking cares about our family?“ dürfte sich damit jedenfalls von allein beantwortet haben.