Djeca – Kinder von Sarajevo

Bosnien 2013, Aida Begic
mit Marija Pikic, Ismir Gagula, Nikola Duricko. Digital, 90 Min., dt. Untertitel

 

 

Es sind fast 20 Jahre vergangen seit dem Krieg in Bosnien und der verheerenden Belagerung Sarajevos. In Aida Begics Porträt einer jungen Frau und ihres Kampfes um ein menschenwürdiges Leben in dieser Stadt, könnte man vermuten, die Vergangenheit liege nur einige Monate zurück. Die äußerlichen Spuren des Krieges sind weitgehend verschwunden. Doch die Verwerfungen der Gesellschaft, das tiefsitzende Trauma von Angst, Hunger und allgegenwärtigem Tod sind in jeder Szene spürbar. Rahima arbeitet in der Küche eines Restaurants, damit kann sie sich und ihren jüngeren Bruder knapp über Wasser halten. Sie ist zum muslimischen Glauben übergetreten und trägt das Kopftuch als Zeichen ihres Selbstbewusstseins. Damit ist sie im heutigen Sarajevo eine Außenseiterin. Begic erzählt ihre Geschichte mit scheinbar beiläufiger Alltäglichkeit in blassen Farben und langen Einstellungen. Es ist ein stiller, kluger Film über die Stagnation einer Gesellschaft, die den Krieg hinter sich gelassen, doch noch keinen Weg in eine bessere Zukunft gefunden hat. In der Stärke und Unbeugsamkeit der Hauptfigur liegt aber die Hoffnung, dass die Wunden der Vergangenheit eines Tages verheilt sein werden. (P. Seyboth, epd Film 11/13)