Venezianische Freundschaft

Io sono Li
Italien 2012, Andrea Segre
mit Zhao Tao, Rade Sherbedgia. Digital, 98 Min., dt.Untertitel.

 

 

Shun Li näht Hemden für die chinesische Mafia in einer Fabrik in Rom, damit sie eines Tages ihren Sohn nachholen kann, der sich noch in China befindet. Weil sie ihre Arbeit gut macht, wird sie nach Venedig versetzt. Hier haben die Chinesen ein altes Lokal gekauft, das für die Fischer schon lange ein zweites Zuhause ist. Sie trauen zunächst ihren Augen nicht, als plötzlich eine kleine Chinesin hinter dem Tresen steht und gebrochenes Italienisch spricht. Das soll die neue Chefin sein? Zunächst hat es Shun Li alles andere als leicht, akzeptiert zu werden. Zumindest in dem alten Fischer Bepi, der selbst vor 30 Jahren als Migrant in die Lagunenstadt kam, findet sie einen Freund.

Ein neorealistischer Film über die von der Mafia organisierte Einwanderung aus Fernost, der dem italienischen Unbehagen daran und den Gefühlen der Zuwanderer ein Gesicht gibt. Italiens angeblich bekannteste Bar, die „Osteria Paradiso“, liegt im Fischerstädtchen Chioggia bei Venedig und wird von einer Chinesin geführt. Ihre Geschichte diente Regisseur Andrea Segre als Vorlage für seinen ersten Spielfilm. Nach der gefeierten Premiere bei den Filmfestspielen am Lido lockte sein Film in ganz Italien Besuchermassen in die Kinos. (nach: Dirk Schümer, FAZ 11.10.12)