Stein der Geduld

Syngué Sabour
Afghanistan/Frankreich 2012, Atiq Rahimi
Digital, 102 Min., dt. Untertitel, mit Golshifteh Farahani, Hamid Djavadan, Hassina Burgan.

 

 

Der „Stein der Geduld“ ist ein der persischen Mythologie entliehenes Bild. Die Sage erzählt von einem Stein, der sich alle Sorgen eines Menschen anhört, bis er auf Grund der Last am Jüngsten Tag in tausend Stücke zerbricht. Der Autor und Regisseur Atiq Rahimi nutzte die Metapher bereits in seiner 2008 mit dem Prix Goncourt ausgezeichneten Buchvorlage, um einer unterdrückten Frau, die für viele Frauen in diesem Kulturraum steht, eine Stimme zu geben. Seit Wochen liegt ein Mann schon im Koma zu Hause, gepflegt von seiner Frau. Es ist Krieg in Afghanistan und der Mann war Soldat, nun muss sie sehen, wie sie und die Kinder überleben. Eines Tages beginnt sie zu sprechen. All ihre Sorgen und Nöte ihres Lebens und ihrer freudlosen Ehe erzählt sie dem reglosen Mann. Draußen in der Stadt tobt der Bürgerkrieg, periodisch dringt die Gewalt in die Nachbarschaft und das Haus. Rahimi ist mit der Verfilmung seines Romans ein anrührender Film gelungen, der mit großer visueller Schönheit den Emanzipationsprozess einer Frau schildert. Viel verdankt er dabei seiner iranischen Hauptdarstellerin Golshifteh Farahani, die spätestens seit ALLES ÜBER ELLY von Asghar Farhadi eine auch international gefragte Schauspielerin ist.