Die Fliege in der Asche

La mosca en la cenzia
Argentinien 2010, Gabriela David
mit Paloma Contreras, Maria Laura Caccamo, Luis Machin. Digital, 100 Min., dt.UT

 

 

Mit ihrem preisgekrönten Debütfilm TAXI – EINE NACHT IN BUENOS AIRES wurde Gabriela David schlagartig zu einer der großen Hoffnungen für das argentinische Kino. Leider ist die Regisseurin im November 2010 im Alter von nur 50 Jahren früh verstorben. Sie konnte mit DIE FLIEGE IN DER ASCHE nur noch einen weiteren Film realisieren, der nun mit einiger Verspätung zum Glück doch noch den Weg in die deutschen Kinos gefunden hat.

Der Film erzählt von zwei jungen Frauen, die aus einem Dorf im Norden Argentiniens in die Hauptstadt kommen. Eine Jobvermittlerin stellt ihnen eine gut bezahlte Arbeit als Dienstmädchen in Aussicht. Tatsächlich kommen sie in eine Wohnung, die zum Bordell umfunktioniert wurde, mitten in einem gutbürgerlichen, betont sauberen Stadtviertel von Buenos Aires. Gabriela David vermeidet alles Voyeuristische und verzichtet auf exzessive Gewaltszenen. Vielmehr gelingt ihr der Spagat, dem Geschehen eine poetisch-melancholische Aura zu verleihen, ohne es dadurch zu verharmlosen. Ein solcher Film, in dem sich ein illegales Bordell zu einer fast surrealen Parallelwelt entwickelt, kann nur funktionieren, wenn die Charaktere glaubhaft dargestellt werden. Dank der herausragenden Leistung der beiden Hauptdarstellerinnen meistert der Film den Balanceakt zwischen realistischer Darstellung und künstlerischer Überhöhung. (nach: Stefan Volk, film-dienst 12/14)